Eine tolle Kombination an Klettersteigen ist der Rotwand-Klettersteig auf die 2806 Meter hohe Rotwand in der südlichen Rosengartengruppe, sowie dem Masaré–Klettersteig über den Masarè-Grat. Beide Klettersteige zählen nicht um sonst zu den absoluten Klassikern in den Dolomiten. Daher werden beide auch gerne begangen.

Bei winterlichen Bedingungen im Herbst des Vorjahres konnte ich den Rotwand-Klettersteig schonmal begehen. Dieses Jahr waren die Bedingungen das absolute Gegenteil und so bot sich die Begehung beider Steige zusammen, bei strahlend blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen am Nachmittag, an.

Ausgangspunkt für den kletterreichen Tag war das Rifugio Roda di Vaél. Die Schutzhütte, im Besitz der S.A.T. ( Società Alpinisti Tridentini ), liegt auf dem Ciampaz-Sattel auf 2283 Metern direkt am Fuß der namensgebenden Rotwand. Von hier aus folgt man den Wegen 541 und 551 hinauf zum Vajolon-Pass. Dabei erhebt sich die Rotwand sowie der Fensterlturm ( Torre Finestra ) sehenswert auf der linken Seite.

Sonnenaufgang an der Rotwandhütte
Bergpfad und Fensterlturm
Edelweiß am Wegesrand
Der Wanderweg verläuft hinein in den Vajolon-Kessel zwischen Tscheiner Spitze ( 2810 m ) und Mugoni Gipfel ( 2730 m ) und weiter hinauf zum Vajolon-PassAuf der Passhöhe gilt es die Klettersteigausrüstung anzulegen. Der Rotwand-Klettersteig verläuft auf mäßig steilem Gelände über den Nordgrat der Rotwand.

Drahtseilversicherte Abschnitte ( B ) wechseln immer wieder mit kurzen ungesicherten Gehpassagen in leichtem Gelände. Gut 1 Stunde benötigt man hinauf bis zum Gipfelkreuz. Die Aus- und Tiefblicke sind dabei spektakulär auf die umgebende Bergwelt. Gut zu erkennen sind die Tscheiner-Spitze, die Rosengartenspitze und der breite Kesselkogel, das Dach des Rosengartens.

Das Gipfelplateau bietet sich für eine kurze Rast perfekt an und während man sich etwas stärkt, lässt man den Blick schweifen und genießt das grandiose 360 Grad Panorama. Es folgt ein steiler Abstieg hinein in einen Kessel mit coolem kurzen Klettersteig zwischen Rotwand und Fensterlturm.

Blick auf Rotwand und Vajolonpass
lächeln für die Kamera im Aufstieg zur Rotwand
Am Gipfelkreuz der Rotwand auf 2806 m
Blick hinab auf den Masarè Kamm
Blick von der Rotwand hinüber zum Fensterlturm und das Wiesenkarr
cooler Klettersteig Abschnitt zwischen Rotwand und Fensterlturm
Der folgende schmale Bergpfad, welcher auch als Zwischen- oder Notabstieg genutzt werden kann, verläuft auf der linken Seite des kleinen Kessels am Fuß des Fensterlturms. Von hier aus erkennt man gut das kleine Kreuz, welches mit in dem Felsfenster angebracht wurde. Zur rechten Seite erblickt man einige Kletterer an den Routen der Teufelswand ( 2727 m ). Die Roda del Diavolo konnte man vom Gipfel der Rotwand aus schon gut in Augenschein nehmen.

Etwas mehr als 100 Höhenmeter geht es auf dem Pfad erst einmal hinab. Der Blick auf die Rotwandhütte ist auch von hier aus grandios. An der nächsten Weggabelung hält man sich rechts und folgt dem Weg hinüber zum Einstieg des Masaré–Klettersteig. Nach einer weiteren kurzen Stärkung geht es dann auch schon weiter auf den zweiten Klettersteig des Tages.

Schon auf den ersten Metern macht der Klettersteig viel Spaß. Der Streckenverlauf, der griffige Fels, der Ausblick. Einfach ein perfekter Mix. Und das Feeling ändert sich bis zum Ausstieg nicht mehr. Hier kommt man voll auf seine Kosten. Die Klettertechnischen Highlights bestehen aus Bändern, einem coolen Kamin und beeindruckenden Felstürmen. Dabei wechselt das Gelände immer zwischen steileren Aufstiegen und etwas flacheren Querungen. 

Am Einstieg zum Masarè Klettersteig
T-Shirt Wetter im September
Kirstin in einer luftigen Querung
Im ersten Abschnitt war mein persönlicher Höhepunkt eine Kletterpassage durch eine U-förmige Felsspalte mit etwas Nervenkitzel und erneut grandiosem Tief- und Ausblick. Diese Querung verläuft leicht abwärts auf einem Band in die schattige Felsspalte hinein. Hier sind es etliche Meter über dem Boden und man hängt mit dem Oberkörper gelegentlich direkt über dem Abgrund.

Wenig später erreicht man einen ersten kleinen Zwischenausstiegs und das hier flachere Gelände bietet sich für eine kurze Rast an. Hat man sich kurz ausgeruht, gestärkt und etwas die Sonne genossen, geht es auch schon auf einer kurzen Gehpassage weiter zu den Torre de le Stries ( 2607 m ). Am Fuß der Felstürme verläuft der Klettersteig über ein breiteres Band. Zuvor muss man jedoch noch etwas absteigen.

Und wieder geht es hinein in den nächsten genialen Abschnitt. Über Leitersprossen gelangt man 6 bis 8 Meter hinauf, über einen kleinen Kamm auf der anderen Seite wieder hinab und weiter hinüber zum beeindruckenden Kamin, durch den sich der Klettersteig schlängelt. Hier kann es sich bei Gegenverkehr etwas stauen, aber es gibt schlechtere Plätze für einen Stau. Muss man kurz warten, nutzt man einfach die Zeit um auf die atemberaubende Bergwelt zu blicken.

Blick auf die Torre de le Stries
Blick hinab zur Rotwandhütte mit Marmolata im Hintergrund
letzter steiler Abstieg im Klettersteig
.Der Verlauf des Masaré–Klettersteig ist ja quasi der komplette Kamm. Dabei wechselt der Steig auch immer mal die Seite. Nach dem Kamin gilt es eigentlich nur noch eine schwerere Stelle zu meistern, die im Aufstieg sicher angenehmer zu gehen ist. Etwa 10 bis 15 Meter geht es steil hinab und man kann und sollte hier viel mit Druck auf den Füßen arbeiten. Dann ist auch dieser Abstieg gut zu klettern.

Nach einem weitere kurzen Gehgelände folgt die letzte leichte Querung auf der westlichen Seite des Kamms und verläuft um den letzten Turm herum bis zu einem verwitterten Wegweiser mit der Aufschrift “Rif. Roda de Vael – 30 Min“. 30 Minuten sind für den felsigen Abstieg aber sehr sportlich angesetzt. Wir benötigten gut 45 Minuten bis zum Ausgangspunkt an der Rotwandhütte.

Wie schon zu Beginn der Tour finden sich auch hier wieder jede Menge Edelweiß und Enzian am Wegesrand. Haushoch sind teilweise die Felsblöcke an denen man vorbeikommt. Auch der Abstieg lohnt sich sehr und gibt zunehmend den Blick nochmal auf den kompletter Verlauf des Klettersteigs inklusive Wiesenkarr und Fensterlturm frei. Ein grandioses Bergerlebnis geht nach gut 6,5 Stunden bei kühlen Getränken und einem ausgiebigem Abendessen zu Ende.

Kirstin & Frank in der letzten Querung kurz vorm Ausstieg
bizarre Felstürme am Masarè Kamm
Masarè Kamm, Wiesenkarr und Fensterlturm

Tourinfo

Schwierigkeit

mittel

Streckenlänge

8,8 km

Dauer

6,5 Std

Aufstieg

706 m

Abstieg

696 m

GPS Download

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