Tibetische Brücke
270 Meter lang, 130 Meter über dem Boden und ca. 50 Tonnen schwer. Der Gang über die Hängebrücke ist genauso beeindruckend wie die technischen Daten.
Funivia Monte Carasso – Mornera
Kleines Abenteuer zu Beginn der Tour
Die Wanderung zur Ponte Tibetano Carasc unweit der Tessiner Hauptstadt Bellinzona beginnt nach der Anreise mit dem Auto gleich mit einem kleinen Abenteuer. Um sich einiges an Höhenmetern zu sparen, kann man die Seilbahn Monte Carasso nutzen um nach Curzùtt zu gelangen. Bevor man jedoch in die seit 1966 in Betrieb befindliche Bergbahn steigt, muss man erstmal einen Parkplatz in der Nähe der Talstation finden. Direkt an der Talstation gibt es nur sehr wenige Parkplätze. Die Straße Via Pedmúnt hat auch nicht viel mehr Parkmöglichkeiten zu bieten. Als Alternative bleibt nur der große öffentliche Parkplatz an der Via Pierino Tatti in Bellinzona.
Von dort gelangt man mit dem Bus (Linie 2) zur Talstation oder man läuft in ca. 15 Minuten zu Fuß dort hin. Hat man nicht schon online ein Ticket für die Seilbahn erworben, kauft man sich eins am Schalter vor Ort. Eine Einzelfahrt bis zur Mittelstation Curzùtt kostet 8 CHF und dauert nur wenige Minuten. Ist mal kein Personal vor Ort, funktioniert die Seilbahn auch vollautomatisch via Knopfdruck in der Gondel. Während der spannenden Fahrt, in der mit bis zu 8 Personen besetzten Kabine, hat man einen guten Blick auf den eigentlichen Wanderpfad, der sich in der Nähe der Fahrtstrecke nach oben schlängelt. Und dann wird es etwas spannend…
Ist Personal vor Ort, stoppt die Seilbahn automatisch an der Mittelstation, wenn Fahrgäste dabei sind die hier aussteigen wollen. Im Automatikmodus muss man hingegen selber den dafür vorgesehenen Knopf in der Kabine drücken. Die Kabine bleibt für kurze Zeit still und verriegelt in der Position stehen. Öffnet die Tür kann man die Kabine verlassen. Der Ausstieg direkt am Pfeiler der Seilbahn ist für Menschen mit Höhenangst sicher eine Herausforderung. An sich ist es nichts wildes, aber man muss sich erstmal trauen den kleinen Spalt zwischen Gondel und Plattform zu überschreiten. Dann steht man auch schon auf der metallenen Plattform, die zunächst kein Geländer aufweist. Das folgt erst an der Treppe, die einen in etwa 20 Stufen auf den „sicheren“ Boden bringt.
idyllische Bergweiler
Mittelalterliches Curzútt
Vom Ausstieg der Seilbahn bis in den Ort sind es nur wenige Meter zu Fuß. Curzútt liegt auf 612 m ü. M. oberhalb von Monte Carasso im Schweizer Kanton Tessin. Der urige Dorfkern mit seinen steinernen Mauern, den Rusticos und den engen Gassen wurde ab 1998 von der Stiftung Curzútt‑San Barnárd wieder zum Leben erwecket. Das kleine Bergdorf, eingebettet in Kastanienwälder und Weinberge, weiß voll und ganz zu überzeugen. Die Ruhe hier oben überzeugt schon kurz nach dem man hier angekommen ist. Man schlendert zwischen den wenigen Gebäuden hindurch und trifft nur hin und wieder auf andere Wanderer, die vermutlich das selbe Ziel haben wie wir.
Zu einem absoluten Highlight zählt für mich der groß angelegte Spielplatz der fast so groß ist wie der Ort selbst. Unter schattenspendenden Bäumen können sich Kinder an den unterschiedlichen Spielgeräten austoben, während die Eltern eventuell die Chance haben etwas Ruhe und die grandiose Aussicht zu genießen. Überhaupt haben mich die Spielplätze in der Schweiz überzeugt. Da können sich die meisten Spielplätze in Deutschland ne sehr große Scheibe von abschneiden. Selbst von solchen in kleineren Bergdörfern.
im 11. und 12. Jahrhundert erbaut
Die Kirche San Barnárd
Der befestigte und gut begehbare Weg hinüber zur romanischen Kirche San Barnárd lässt sich in wenigen Gehminuten bewältigen. Einen Blick in die kleine Kirche mit kostbaren Fresken, welche in den letzten Jahren sorgfältig restauriert wurden, sollte man sich nicht entgehen lassen. Leider fühlte sich die nette alte Dame, welche an diesem Tag in der Kirche für Fragen bereit stand, nicht sehr wohl und wollte die Kirche gerade abschließen.
Sie ließ die Tür aber noch kurz offen und so konnten wir noch schnell einen Blick ins Innere werfen. Die Kirche wurde im 11. und 12. Jahrhundert erbaut und in der Zeit danach noch zweimal erweitert und/oder umgebaut. Vom Außengelände aus genießt man erneut einen grandiosen Blick hinab ins Ticinotal und in die Magadinoebene sowie auf die umgebende Berglandschaft. Danach geht es dann langsam und allmählich zur Ponte Tibetano.
Bilder der Rundwanderung
Bilder der Wanderung zur Ponte Tibetano
Auf geht's zur Hängebrücke
Hängebrücke mit spektakulärem Tiefblicke
Von der Kirche San Barnárd sind es ziemlich genau 1,5 Kilometer bis zur Ponte Tibetano. Der überwiegend gut befestigte Weg lässt sich angenehm laufen und ist auch für Familien mit Kindern geeignet. Gelegentlich geht es mal über felsigen Untergrund oder steinerne Treppenstufen. Bei sommerlichen Temperaturen ist man über den schattenspendenden Kastanienwald sehr dankbar. Zunächst geht es nämlich erstmal knapp 200 Höhenmeter hinauf. Viel Aussicht gibt es durch das dichte Blätterdach nicht wirklich. Bevor man dann den Sementina-Graben erreicht und der Weg wieder etwas bergab verläuft, kann das geschulte Augen an der ein oder anderen Stelle jedoch schon einen Blick auf die Brücke werfen. So wirklich gut wird die Aussicht aber erst an bzw. auf der Brücke.
Die Ponte Tibetano Carasc ist eine beeindruckendes Bauwerk hoch über dem Val Sementina. Die Hängebrücke in tibetischer Bauweise ist 270 Meter lang und wiegt ca. 50 Tonnen. Das Konstrukt aus Stahl, Holz und Beton überspannt die Schlucht in 130 Metern Höhe und bietet eine atemberaubende Aussicht auf die umgebende Landschaft. Auf dem Boden der Brücke finden sich Holzbretter, die mit etwas Abstand zueinander angebracht wurden. Die Spalten dazwischen erlauben einem auch einen spektakulären Tiefblick.
Das Gefühl, die Ponte Tibetano Carasc zu überqueren, ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus Nervenkitzel und Staunen. Selbst bei mir, der einigermaßen an Höhe gewöhnt ist, erzeugt es ein leicht mulmiges Gefühl. Schon beim ersten Schritt spürt man die leichte Bewegung der Brücke, die sanft hin und her schwingt. Der Blick nach unten auf den tiefen Sementina-Graben lässt das Herz schneller schlagen, während die Weite der Landschaft einen gleichzeitig in Staunen versetzt. Die Kombination aus der offenen, luftigen Struktur und der Höhe verstärkt das Gefühl von Abenteuer und Freiheit, aber auch eine gewisse Unsicherheit. Der Wind, der durch das Tal zieht, gibt der Erfahrung noch mehr Intensität.
Wanderweg zurück ins Tal
Zum Fortini della Fame
Hat man die Brücke überquert und das Abenteuer bei einer kurzen Rast auf sich wirken lassen, bleibt die Entscheidung, ob man den Weg genauso wieder zurück geht, oder ob man auf der anderen Seite des Sementina-Grabens wieder ins Tal absteigt. Wir haben uns schon vorher für Variante zwei entschieden und traten somit den Abstieg hinab zur Fortini della Fame an. Zunächst geht es von der Ponte Tibetano nochmal einige Höhenmeter bergauf, bevor der Wanderweg danach tatsächlich, bis zum Ausgangspunkt, nur noch bergab verläuft. Auch hier ist der Weg gut befestigt. An manchen Stellen ist er mit stabilen Holzzäunen versehen und im weiteren Verlauf gibt es hin und wieder einige steinige Passagen. Wie schon auf dem Hinweg zur Hängebrücke erstreckt sich links und rechts neben dem Wanderweg ein weitläufiger Kastanienwald. Der Anblick im Herbst ist sicher beeindruckend.
Schnell verliert man wieder an Höhe und nach gut 1,5 Kilometern erreicht man wieder die ersten Gebäude. Je weiter man ins Tal gelangt, desto freier wird auch wieder der Blick auf Monte Carasso und Teile von Bellinzona, die Hauptstadt des Tessins. Schon bald gelangt man an kleinere Weinberge die hier von schönen steinernen Mauern umsäumt sind. Kurze Zeit später erblickt man dann die Fortini della Fame. Hierbei handelt es sich um Überreste einer Festungsanlage einer ehemalige militärische Verteidigungslinie aus dem 19. Jahrhundert. Der Wanderweg verläuft etwas unterhalb von einem großen runden Turm und durch eine Art Burgmauer mit Beobachtungspunkt hindurch. Wem das hier gefällt, der sollte sich auch auf gar keinen Fall das Castlegrande in Bellinzona entgehen lassen.
Bevor man dann schlussendlich den Ausgangspunkt an der Seilbahn Monte Carasso erreicht erblickt man noch die kleine Kirche Chiesa della Santi Trinità etwas oberhalb des Fluss Sementina. Wenige Schritte später überquert man die Brücke an der Hauptstraße und sollte den Blick unbedingt nochmal links hinein in die Schlucht werfen. Das geschulte Auge erblickt schnell die Ponte Tibetano Carasc über die man kurz zuvor gegangen ist. Ein ebenso toller Anblick wie von der Hängebrücke hinab ins Tal.
Highlights & Einkehrmöglichkeiten der Tour
Monte Carasso
Ortsteil der Gemeinde Bellinzona im Schweizer Kanton Tessin und Ausgangspunkt der Wanderung
Seilbahn Monte Carasso
Mit der Seilbahn gelangt man in nur wenigen Minuten hinauf nach Curzutt
Curzutt
ein idyllisches, liebevoll restauriertes ehemaliges Bergdorf oberhalb von Monte Carasso
Ristorante Ostello Curzutt
Restaurant und Herberge in rustikalem Steinhaus
Spielplatz Curzutt
Ein toller Spielplatz unweit des Ortskern mit vielen Spielmöglichkeiten
Kirche San Barnárd
gut erhaltene romanische Bergkirche aus dem 11. Jahrhundert mit eindrucksvollen spätgotischen Fresken
Ponte Tibetano Carasc
Spektakuläre Hängebrücke mit 270 Metern Länge über dem Sementina-Graben
Fortini delle Fame di Sementina
Überreste einer militärischen Verteidigungslinie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts
Tourinfo

Schwierigkeit
leicht

Streckenlänge
6,1 km

Dauer
3,5 Std

Aufstieg
487 m

Abstieg
797 m
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